Von 1916 bis 1926 war Theophil Richter als Organist in der Kirche (Lutherische Kathedralkirche St. Paul in Odesa) tätig. Er war Komponist, Pianist, Organist und Musikwissenschaftler, ein sehr gebildeter Mensch. Sein ganzes Leben nach dem Umzug war mit unserer Stadt verbunden. Hier unterrichtete er an dem Konservatorium. Dann musste er die Kirche verlassen und spielte weiter Orgel an dem Opernhaus in Odesa.
Auf Befehl Stalins vom 28. August 1941 mussten alle Personen deutscher Nationalität den europäischen Teil der Sowjetunion verlassen. Er gehorchte nicht und wurde verhaftet. Der Krieg war bereits ausgebrochen. Man erinnerte sich daran, dass er in der Kirche gespielt hatte und mit dem letzten örtlichen Pastor Karl Vogel befreundet war, der 1937 erschossen worden war. Zur gleichen Zeit wurde die Kirche geschlossen.
Richter wurde auch vorgeworfen, dass er die Kinder des Konsuls unterrichtet hatte. Hier hatten wir ein deutsches Konsulat. Er wurde als deutscher Spion erschossen.
Das bekannte Orgel-Festival in Odesa, das 2011 von Bischof Spalinger ins Leben gerufen wurde, trägt heute den Namen von Theophil Richter.


