Myrne (Freudental)

Freudental (heute – Myrne) war eine deutsche Kolonie im Liebentaler Kolonistenbezirk des Odesaer Kreises des Gouvernements Cherson. Heute liegt das Gebiet der ehemaligen Kolonie im Rajon Ismajil der Oblast Odesa.

Die Kolonie wurde im Jahr 1806 von Siedlern aus dem Elsass und der Pfalz gegründet, die aus Ungarn eingewandert waren, wo sie seit 1782 gelebt hatten. Über lange Zeit bewahrte Freudental eine einheitliche nationale Zusammensetzung der Bevölkerung. Während sich bis 1886 in vielen deutschen Kolonien neben Deutschen auch Juden und Ukrainer ansiedelten, lebten in Freudental ausschließlich Deutsche.

Die wirtschaftliche Grundlage bildeten Ackerbau und Viehzucht. Die Kolonisten brachten die Kartoffel mit und trugen zu ihrer Verbreitung in der Region bei. Von der Schafzucht sah man aufgrund von Schwierigkeiten beim Absatz der Wolle ab. Auch die Versuche, die Seidenraupenzucht einzuführen, blieben erfolglos.

Im Jahr 1812 wurde eine eigenständige lutherische Kirchengemeinde gegründet, an deren Spitze Pastor Adolf Granbaum stand. Die Pfarrer wirkten oft über mehrere Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte hinweg.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte die Kolonie etwa 140 Höfe und rund 1.300 Einwohner. Im Zentrum befanden sich die Kirche, die Schule und eine Semstwo-Poststation. Einnahmen erzielten eine dampfbetriebene Getreidemühle, vier Handelsläden sowie eine Schenke. Die Kolonie war für ihre Weinberge bekannt.

Die Bewohner erlebten den Sturz der Selbstherrschaft, den Zerfall Russlands sowie die blutigen Ereignisse des Bürgerkrieges. Im Sommer 1919 beteiligten sie sich am antibolschewistischen Großliebentaler Aufstand.

Der sowjetischen Macht, die sich im Februar 1920 endgültig etablierte, standen die Kolonisten feindlich gegenüber. Während der Kollektivierung wurden in Freudental 16 Familien (67 Personen) enteignet. Die genaue Zahl der Opfer der Repressionen unter den Einwohnern ist bislang nicht vollständig ermittelt. Nach Angaben des deutschen Forschers Anton Bosch belief sie sich auf 48 Personen. Im Jahr 1937 wurden 18 Personen erschossen, 1938 weitere 14 und 1941 nochmals 4.

Während des Krieges gegen das nationalsozialistische Deutschland befand sich die Kolonie in der rumänischen Verwaltungszone Transnistrien, stand jedoch unter der Kontrolle des SS-Sonderkommandos „R“. Im März 1944 wurden die Einwohner im Zusammenhang mit dem Vormarsch der Roten Armee auf Befehl in die Reichsprovinz Warthegau (Polen) evakuiert. Nach dem Krieg wurden sie in die UdSSR repatriiert.

Als deutscher Siedlungsort hörte Freudental auf zu bestehen. Im Zentrum des Dorfes wurde bereits in der postsowjetischen Zeit ein Gedenkobelisk zum Andenken an die Kolonisten errichtet.

Das Virtuelle Museum der Schwarzmeerdeutschen wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „House of Europe“ gefördert.




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