Sarata
Sarata war das administrative Zentrum des Sarataer Kolonistenbezirks im Kreis Akkerman der Bessarabischen Provinz (1836–1871), anschließend gehörte es von 1918 bis 1940 zu Rumänien und von 1940 bis 1991 zur UdSSR. Heute liegt die Stadt im Rajon Bilhorod-Dnistrowskyj der Oblast Odesa.
Sarata wurde 1822 vom Religionsführer Ignaz Lindl gegründet, der auf Grundlage seiner Vorstellungen vom christlichen Glauben von der Errichtung einer gerechten Gesellschaft träumte. Gemeinsam mit Katholiken aus Bayern und Lutheranern aus dem Königreich Württemberg gründete er die Siedlung als sozial-religiöse Gemeinschaft. Den Siedlern wurden Landflächen in Bessarabien zugeteilt, entlang des Flusses Sarata.
Den Bebauungsplan entwarf der Uhrmacher Alois Schertzinger: Die Siedlung hatte die Form eines quadratischen Zifferblatts mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen. Aufgrund der schlechten Wasserqualität und des schwierigen Bodens sammelten die Kolonisten über viele Jahre Erfahrungen, um die ertragreichsten Kulturen auszuwählen. Besonders einträgliche Wirtschaftszweige waren Viehzucht und Pferdezucht. Einer der Haupteinnahmequellen war der Weinbau.
In Sarata wurden eine Eisenhütte sowie landwirtschaftliche Maschinen produziert. Zudem entstand eine Wollwarenfabrik.
1844 wurde die zentrale Lehranstalt (Wernerschule) zur Ausbildung von Lehrkräften für Dorfschulen eröffnet. 1865 wurde das Alexander-Asyl für Kranke und ältere Menschen gegründet.
Von März 1918 bis September 1940 gehörte Sarata zum Königreich „Großrumänien“. Aufgrund des Vertrags zwischen der UdSSR und Deutschland vom 27. Juni 1940 wurde Bessarabien der UdSSR angegliedert. Im September 1940 erhielten die Deutschen in Bessarabien auf Grundlage des deutsch-sowjetischen Abkommens das Recht, nach Deutschland auszureisen. Die Mehrheit der Einwohner von Sarata nahm dieses Recht wahr.
Heute ist Sarata ein Verwaltungszentrum im Rahmen der Oblast Odesa. Erhalten geblieben sind Kolonistenhäuser, Keller, der historische Brunnen „Kranich“ sowie die Ruinen der zentralen Lehranstalt. Mit Unterstützung und finanzieller Förderung der bessarabischen Landsmannschaft der Deutschen (Deutschland) wurde die Kirche restauriert. In den 1990er Jahren nahm das 1922 gegründete Museum seinen Betrieb wieder auf. Ein Denkmal für Pastor I. Lindl wurde errichtet. Auf dem Friedhof entstand ein besonderes Memorial aus den erhaltenen Grabplatten des ehemaligen deutschen Friedhofs.