Schyrokolaniwka (Landau)
Landau (heute – Schyrokolaniwka) ist eine deutsche Kolonie, die 1809 am Ufer des Flusses Beresan, etwa 50 km nordwestlich von Mykolajiw, von katholischen Siedlern aus Württemberg, der Rheinpfalz und dem Elsass gegründet wurde. In den Jahren 1809–1871 war Landau das administrative Zentrum des Beresaner deutschen Kolonistenbezirks des Odesaer Kreises im Gouvernement Cherson. Heute gehört der Ort zum Rajon Mykolajiw.
Die wirtschaftliche Grundlage bildeten Ackerbau, Viehzucht, Schafzucht, Obstbau und Seidenraupenzucht. Die Kolonisten brachten die Kartoffel mit und trugen zu ihrer Verbreitung im Süden der Ukraine bei. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Landau ein wirtschaftlich entwickeltes und gut ausgestattetes Dorf. Einnahmen erzielten Handels- und Handwerksbetriebe, Dampfmühlen, Verkaufsstände, ein Weinkeller sowie Jahrmärkte.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die männliche Bevölkerung Landaus in die Armee eingezogen. Die Kolonie erhielt den Namen Swjato-Pokrowske.
Die Bewohner erlebten den Sturz der Monarchie, den Zerfall Russlands und die blutigen Ereignisse des Bürgerkriegs. Im Jahr 1919 beteiligten sie sich am antibolschewistischen Großliebentaler Aufstand.
Die sowjetischen Umgestaltungen wurden von der Bevölkerung Landaus überwiegend negativ aufgenommen. Erste Versuche der Kollektivierung blieben erfolglos. Im März 1925 wurde der deutsche nationale Landauer Rajon (ab Mai 1926: Karl-Liebknecht-Rajon) auf der Grundlage des Rajons Warwariwka der Oblast Mykolajiw und des Rajons Beresiwka des Odesaer Bezirks mit dem Verwaltungszentrum in Landau gebildet.
In den 1920er Jahren gelang es nicht, das Vorkriegsniveau der landwirtschaftlichen Produktion zu erreichen. Im Februar 1930 begann in Landau die Entkulakisierung, es wurden drei Kolchosen gegründet. Die Kollektivierung und die zwangsweise Abgabe von Lebensmitteln führten zu einer Hungersnot, in deren Folge im Jahr 1933 130 Kolonisten starben. Während des „Großen Terrors“ wurden 120 Einwohner Landaus repressiert, davon 35 im Jahr 1937 erschossen.
Während des Krieges mit Deutschland befand sich die Kolonie in der rumänischen Verwaltungszone Transnistrien, stand jedoch unter nationalsozialistischer Jurisdiktion.
Mit dem Herannahen der Front im Jahr 1944 wurde die deutsche Bevölkerung der Gebiete Mykolajiw und Odesa in die Reichsprovinz Warthegau (Polen) umgesiedelt. Die Evakuierung der Bewohner Landaus erfolgte Ende März. Nach dem Krieg wurden viele von ihnen repatriiert und in Sondersiedlungen in den östlichen Regionen der UdSSR eingewiesen.
Ende 1944 trafen in Landau Ukrainer ein, die aus Ostpolen deportiert worden waren, und wurden in den Häusern der ehemaligen Kolonisten angesiedelt. Landau hörte als deutscher Siedlungsort auf zu bestehen.