Stepowe (Karlsruhe)
Karlsruhe (heute – Stepowe) war eine deutsche Kolonie, die 1810 von Katholiken aus Baden, der Rheinpfalz und dem Elsass gegründet wurde. Von 1810 bis 1875 gehörte sie zum Beresaner Kolonistenbezirk der Landauer Wolost im Olwiopol- und später im Odesaer Kreis der Chersoner Provinz. Heute liegt das Gebiet der ehemaligen Kolonie im Rajon Mykolajiw.
Die Hauptwirtschaftstätigkeit der Kolonisten war die Landwirtschaft; später erweiterten sie ihre Aktivitäten auf Gartenbau und Weinbau. Einen bedeutenden Teil der Bevölkerung stellten Handwerker: Schneider, Maurer, Müller, Schmiede, Seiler, Weber und andere. Einnahmen erzielten die Kolonisten durch die Dampfmühle, ein Gasthaus und Brauereien. Ihre landwirtschaftlichen Produkte brachten sie zum Verkauf nach Mykolajiw.
1885 wurde im Zentrum von Karlsruhe eine prächtige Pfarrkirche der Heiligen Apostel Peter und Paul im neugotischen Stil mit reicher Innenausstattung errichtet: Statuen, große Gemälde, bunte Glasfenster und eine Orgel.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Karlsruhe in Petro- Pawliwske umbenannt. Ab 1915 wurden eine Reihe von Gesetzen erlassen, die der deutschen Bevölkerung politische, wirtschaftliche und kulturelle Rechte entzogen, einschließlich des Rechts auf die Verwendung der deutschen Muttersprache. In den Jahren 1917–1920 erlebten die Kolonisten häufige Regierungswechsel mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Programmen. Bewaffnete Konflikte und Plünderungen wurden zur Regel. Im Sommer 1919 tötete eine zurückziehende bolschewistische Einheit unter dem Druck von Denikins Truppen 50 Kolonisten und verbrannte die Häuser wohlhabender Bauern.
Den sowjetischen Umgestaltungen der 1920er Jahre standen die Kolonisten ablehnend gegenüber. Missernten und die Lebensmittelablieferungspolitik 1921–1922 führten zu Hunger. Ab 1929 begann die Zwangskollektivierung. Zwischen 1929 und 1938 wurden 695 Personen aus Karlsruhe deportiert. 118 Menschen fielen Repressionen zum Opfer, 53 wurden erschossen.
Während des Kriegs gegen Nazi-Deutschland lag die Kolonie in der rumänischen Verwaltungszone Transnistrien, stand jedoch unter der Verwaltung des SS-Sonderkommandos „R“ (Sonderkommando R). 1941 besuchte der katholische Visitator Nikolaus Piger Karlsruhe. Besonders beeindruckte ihn die lokale Kirche, die seiner Ansicht nach die größte in der Ukraine sei. Am 18. März 1944 evakuierten die Dorfbewohner angesichts des Vorrückens der Roten Armee in den Reichsgau Wartheland (Polen).
Als deutsche Siedlung hörte Karlsruhe auf zu existieren. Im Dorf sind noch zahlreiche deutsche Häuser erhalten; in den Höfen sind Zisternen und Keller zu sehen. Das Gebäude des ehemaligen Waisenhauses ist erhalten geblieben. Eine der Sehenswürdigkeiten ist das örtliche Heimatmuseum, das an die deutschen Kolonisten erinnert.