Welykodolynske

Großliebental (heute – Welykodolynske) war eine deutsche Kolonie, die 1804 am Fluss Baraboj, 18 km südwestlich von Odesa, von Siedlern aus Württemberg, Baden, dem Elsass, dem preußischen Polen und Sachsen gegründet wurde. Ab 1805 war sie das Verwaltungszentrum des Libentaler Bezirks. Heute liegt das Gebiet im Bezirk Odesa.

Die wirtschaftliche Grundlage der Kolonisten bildeten Ackerbau, Viehzucht, Schafhaltung, Gartenbau und Weinbau. Großliebental wurde als „Milchlieferant“ Odesas bezeichnet: Wöchentlich wurden hier Hunderte Eimer Milch abtransportiert. Versuche, Seidenraupenzucht zu betreiben, scheiterten. In der Kolonie entwickelten sich Handwerke, die für den Bedarf der Bevölkerung notwendig waren. Großliebental war eines der Zentren der Töpfer- und Wagenbauhandwerke im Kreis. Mit der Zeit entwickelte sich die Kolonie zu einem bedeutenden Handelszentrum.

Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Großliebental nicht nur Protestanten (die Mehrheit), sondern auch Katholiken, Juden und Orthodoxe.

1869 wurde in Großliebental eine zentrale Schule eröffnet, in der Kinder evangelischer Kolonisten für die Arbeit als Lehrer an Dorfschulen ausgebildet wurden.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden die Männer des Dorfes eingezogen. Liquidationsgesetze entzogen der deutschen Bevölkerung ihre bürgerlichen Rechte. Revolution und Bürgerkrieg gingen mit häufigen Machtwechseln und bewaffneten Bandenüberfällen einher. Am 26. Juli 1919 wurde Großliebental zum Zentrum eines antibolschewistischen Aufstands, der sich auf andere Kolonien ausbreitete. Dieser Aufstand schwächte die sowjetische Rückendeckung erheblich und beschleunigte den Vormarsch der Truppen von General A. Denikin im Schwarzmeergebiet.

Die 1920 endgültig etablierte sowjetische Macht akzeptierten die Kolonisten nicht. Hunger, Verwüstung und hohe Steuerlast führten zu Migrationsbestrebungen. Um den deutschen Bauern wirtschaftliche Initiative zurückzugeben, wurde 1926 der Großliebentaler Bezirk gebildet.

Ab 1929 begann die Liquidierung privater Haushalte und die Kollektivierung. Infolge von Repressionen wurden zwischen 1937 und 1941 314 Einwohner erschossen.

Im Sommer 1941 geriet Großliebental in die von rumänischen Truppen besetzte Zone. Die deutsche Bevölkerung unterstand dem Sonderkommando R der SS (Sonderkommando R). Am 25. März 1944, aufgrund des Vormarschs der Roten Armee, wurden die Einwohner Großliebentals in die Reichsprovinz Warthegau (Polen) evakuiert. Nach dem Krieg wurden viele von ihnen in die UdSSR repatriiert – nach Komi, Kasachstan, Sibirien, Zentralasien und in den nördlichen Ural.

Großliebental hörte als deutsche Siedlung auf zu existieren. In die deutschen Häuser wurden Bauern aus Westukraine angesiedelt.

Das Virtuelle Museum der Schwarzmeerdeutschen wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „House of Europe“ gefördert.




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